Kulturzwiebel-Clash

Jährlich machen sich über 80 internationale Führungskräfte auf den Weg nach Hamburg. Ihr Ziel: Eine Entdeckungsreise mit der Akademie International unter dem Motto „How to do business with Germany“. Im März 2017 waren erneut 21 indische Unternehmer der ersten und zweiten Generation zu Gast in der Hansestadt.

Kultur kann mit einer Zwiebel verglichen werden, sagt der bekannte Kulturtheoretiker Geert Hofstede. Sie besteht aus mehreren Schichten, und während die äußeren Merkmale wie Kleidung, das Straßenbild einer Stadt oder ein ungewöhnliches Kopfschütteln einem ausländischen Gast sofort ins Auge fallen, sind die inneren Schichten auch einem Einheimischen oft gar nicht bewusst. So tief sitzen Werte, Grundannahmen und Glaubenssätze – dasjenige also, was die Essenz einer Kultur ausmacht und die Art des kulturellen und gesellschaftlichen Miteinanders beeinflusst.

Man muss die Zwiebel zerschneiden, um die tiefer liegenden kulturellen Schichten zu entdecken. Ein hoch bewegender Vorgang für die indischen Führungskräfte, die beide Geschäftskultur-Zwiebeln – die eigene und die deutsche – während ihres interkulturellen Trainings nebeneinander liegen haben. „God Fearing“, „Emotional Attachment“ und „Equal Weightage to Relationship and Business Deal“ bilden den Kern der von ihnen herausgearbeiteten indischen Zwiebel – und treffen auf die deutsche Rationalität, Direktheit, Gründlichkeit und Expertise. Doch zum indischen Zwiebelkern gehört auch „Ambitious Entrepreneurship“, ein starker Motor für die Annäherung und ein sicherer gemeinsamer Nenner, wenn es um das internationale Geschäft geht.

Im Laufe der weiteren drei Programmwochen nach dem ersten einwöchigen Trainingsblock geht es darum, die ersten Erkenntnisse in der Praxis zu überprüfen und bei Gruppen-Unternehmensbesuchen und individuellen Treffen mit potentiellen deutschen Partnern praktische Erfahrungen zu sammeln bzw. erste Ergebnisse für das eigene Geschäft zu erzielen. Bereits während des interkulturellen Trainings steht fest, dass zwei Schlüsselfragen die indischen Unternehmer dabei antreiben werden: Wie machen es die Deutschen, dass Produkte „Made in Germany“ zu den weltbesten gehören? Und: Was kann ich tun, um ein verlässlicher Geschäftspartner für deutsche Unternehmen zu sein und mein Unternehmen in Indien auf internationaler Ebene voranzutreiben?

Auf der Suche nach den Antworten geht es an die mittleren Kulturzwiebelschichten – zu den Regeln und Verhaltenscodes: Wie wird für die hohe Qualität bei der Produktion gesorgt? Welche Vorgehensweise zeichnet mich als einen guten Partner in den Augen der deutschen Entscheider aus? Wie überzeuge ich von meinen Produkten und Leistungen? Wie funktionieren hier Hierarchien und Entscheidungswege? Wie sieht die deutsche Feedback-Kultur aus? Sagen sie tatsächlich Ja und vor allem Nein – und meinen es auch tatsächlich so?

Einen zentralen Wert entdecken die indischen Manager noch selbst in ihrer Kulturzwiebel: „We are adapters“, stellen sie fest. Die hohe Flexibilität hilft ihnen, das Eigene mit dem Fremden zu kombinieren und in neuen Business-Gewässern erfolgreich zu sein. Die Kulturzwiebel ist für die Teilnehmer zu einem ständigen Begleiter auf ihrer Deutschland-Reise geworden. Ihr Fazit: Zum Verstehen einer neuen Kultur gehört die Erkenntnis der eigenen.